Portugal Tour

    Wir, Malek und Henrik, sind ehemalige Schüler der Friedrich von Bodelschwingh Schulen. Dort haben wir uns im Rahmen der Klima-AG engagiert und haben die E-Cross Europe #2 nach England begleitet. Nach unserem Abitur haben wir uns überlegt ein Zeichen für emissionsfreies Reisen zu setzten. Dadurch kamen wir auf die Idee eine Fahrrad Tour von Bielefeld nach Portugal zum Boom Festival in der nähe von Idanha-a-Nova zu machen. Auf diesem Blog berichten wir von unserer Reise. Viel Spaß beim lesen!


    7.Juli 2016Sparrenburg

    „Für Blöde: Immer gerade aus!“
    Los ging es für uns am Donnerstag den 7. Juli. Wir dachten uns es wäre eine schöne Idee symbolisch von der Sparrenburg in Bielefeld unsere Reise anzutreten. Wie blöd diese Idee war merkten wir, als wir ab der hälfte des Weges zur Sparrenburg absteigen mussten und unsere Fahrräder samt Gepäck den Berg hoch schieben mussten. Oben verabschiedeten wir uns von einer kleinen Delegation der Familien und einem Vertreter unseres Freundeskreises. Danach ging es los Richtung Hamm. Hamm ist sehr komisch. Eine junge Frau lehrte uns, in einem Ton wie wir ihn nur von Lehrern kannten, wenn man zum wiederhohlten Mal zuspät kam oder die Hausaufgaben nicht hatte, wie wir den nächsten Supermarkt finden: „Für Blöde: Immer gerade aus!“.

    Wenn man Hamm jedoch verlässt kommen auch nette Leute: Der „Pink Ponyhof“ ließ uns auf einer der Weiden schlafen.  Dazu bekamen wir noch 2 Radler für die Radler, Brötchen zum Frühstück und ein Packung Keckse. Dadurch haben wir uns doch noch mit Hamm versöhnt und hatten einen schönen Abend!

    11.Juli 2016

    Alles was Berg auf geht, geht auch wieder Berg ab!

    HenniAus Hamm fahren wir morgens los Richtung Köln. Das soll unser nächstes Zwischenziel bei Maleks Onkel und seiner Freundin sein. Entgegen aller Erwartungen hatten wir im Bergischen Land unverschämt steile Berge zu befahren. Irgendwann überlegten wir mit mit all unseren Kenntnissen von Geologie, Physik und Logik, dass alles was Berg-auf geht irgendwann auch Berg-ab gehen muss. Jedoch ist das Berg-ab fahren wesentlich schneller vorbei. 130 km, Gegenwind und die Erkenntnis, warum das bergische Land „bergisches“ Land heißt, überzeugten uns dann jedoch zu einem Tag Pause in Köln.
    Dort hörten wir von einem sehr interessanten Projekt, welches sich mit dem Plasikmüll in den Meeren befasst. Wenn ihr lust habt könnt ihr euch das hier mal angucken: http://pacific-garbage-screening.de/

    Nach unserem Tag Pause ging es dann von Köln aus Richtung Aachen. Dort sind wir nun nahe der Belgischen Grenze, und können schon einen Teil der Karten abwerfen. Gutes Gefühl! Wir planen die nächste Nacht außerhalb von Deutschland.

    13.Juli 2016

    „Kilometerfressen“

    IMG_4935Aufgrund von einem kleinen Fahrfehler strukturieren wir unsere Reise kurzfristig um. Der neue Plan: Mitten durch Belgien! Wir kommen nur mühsam voran und es ist wie in Deutschland: den Montag kann man vergessen. Der Tag wird aber noch, von einem sehr schönen Abend, gerettet. Wir lernen eine Deutsche Frau und ihren Mann in der nähe von Aubel kennen, die uns auf ihrem großen Anwesen mit verschiedenen Wohnungen in einem Zimmer schlafen lässt.

    Am nächsten morgen bekommen wir noch ein schönes Frühstück und machen uns motiviert auf den Weg. Mit dem neuen Karten material, welches wir von den beiden bekommen haben kommen wir besser voran. Über alte Eisenbahnstrecken kommen wir über Lüttich bis kurz von Namur. Auch hier finden wir eine nette Familie die uns eine leer stehende Wohnung anbietet. Wir zaubern uns in der Küche noch ein kleines Abendmahl und dann heißt es auch schon wieder: beten, pillern, ab ins Bett!

    Der nächste Tag ist verregnet. Wir kommen zwar gut voran, der Regen macht uns jedoch zu schaffen. Daher sitzen wir jetzt in Dinant und warten den Regen ab. Mal schauen wo wir heute noch landen werden.

    16.Juli 2016

    Profi hin oder her, was zählt ist die Strecke!

    …und wenn die Strecke nicht gut ist kommt man auch nicht voran. Wir haben in den letzten Tagen einige Kilometer zurückgelegt und befinden uns jetzt im Norden von Frankreich. Hier bei einer schönen, alten Mühle mit einer netten Familie haben wir uns einen Ruhetag gegönnt. Den brauchten wir aber auch, da wir gestern wieder mal 100 km zurückgelegt haben. Gezwungener Maßen IMG_4991mussten wir vor 2 Tagen einen halben Ruhetag einlegen da Henriks Felge geplatzt ist. Nach der langen Suche nach einem Neuen Laufrad konnten wir dann wieder auf die Rädern.

    In Circa zwei Tagen möchten wir in Paris sein um dann in circa 1o Tagen in Pau, kurz vor den Pyrenäen, zu sein.

    22.Juli 2016

    „Irgendwie sehe ich auch auf die Schmerzen…“

    …Das dachten wir, als wir nach Paris mal wieder einen Berg hoch Treppen Fühstückgefahren sind. Die letzten Tage sind sehr warm. Ohne eine Siesta zur Mittagszeit ist nichts zu machen. Trotzdem kommen wir gut voran und befinden uns nun ca. 100 km südlich von Tours. Wir sind durch schöne Landschaften und kleine französische Dörfer in denen man sich direkt zuhause fühlt. Wir treffen viele nette Menschen, die uns in ihrem Garten unser Zelt aufschlagen lassen und uns oftmals noch zu einem kleinen Essen einladen. Die Gastfreundschaft ist sehr bemerkenswert und wir werden gut in die französische Kultur eingeführt. Wir lernen, dass 2009 ein gutes Jahr für Rotwein war und, dass ein Stück Käse das Essen erst richtig abschließt.

    De Brotiks

    Außerdem treffen wir viele Gleichgesinnte. Oft tauschen wir Informationen, Erfahrungen und Kartenmaterial aus. Wie  gespiegelt treffen wir zwei Radfahrer aus Pamplona, die sich auf den Weg nach Berlin gemacht haben. Genau wie wir mehr als 2000 km. Ein sehr lustiges treffen mitten irgendwo im nirgendwo. Die beiden Jungs dokumentieren ihre Reise über Facebook und YouTube und nennen sich „De Brotiks“. Wir wünschen den beiden an dieser Stelle eine gute Reise!

    SchaltungEine solche Tour hält immer ein paar Pannen bereit. Doch mit der gemeinsamen Inspektion der Räd
    er bei „Vlotop“ in Bielefeld und den Ersatzteilen von „Feineraeder Bielefeld“ ist Maleks Schaltungs-Zug schnell repariert. Vielen Dank dafür

     

    Außerdem möchten wir uns bei „Unterwegs Bielefeld“ Kocherbedanken mit deren Gaskocher wir uns jede Form von Nudeln kochen können. Nudeln mit Tomatensauce, Nudeln mit grünem Pesto, Nudeln mit rotem Pesto, Nudeln mit Nudeln und Nudelsuppe.

    Wir haben die Tour Planung ein wenig verändert und Fahren nun an der Westküste bei Bordeaux Entlang. Dieser Weg wurde uns nun  oft Empfohlen und wir freuen uns auf das Meer.

     

     

    31.Juli 2016

    „Buen Camino“
    IMG_5113Nach unserem letzten Eintrag war der Ansporn groß. Das Meer war in Reichweite. Mit diesem Ansporn schafften wir es innerhalb von 2 Tagen nach Rojan. Das gelang uns jedoch nur mit Hilfe eines 150 km Tags, der uns alles abverlangte. Die Atlantikküste Frankreichs gab uns alles was wir uns erhofft hatten: Sandstrände und schöne Wege mit einem grandiosen Panorama! Wir erhohlten uns von den letzten beidenHenni Tagen, verbrachten viel Zeit am Strand, schauten uns an wie die Sonne im Meer versank und schliefen unter dem Sternenhimmel im warmen Sand. Außerdem lernten wir, dass zu jedem „Touri-Ort“ an der Atlantikküste immer weinende Kinder gehören, die etwas von dem „Konsum-Highway“ der Strandpromenaden haben wollen.

     

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    Unser Weg nach Portugal musste jedoch weiter gehen und wir steuerten zur Pyrinäenüberquerung den Einstiegsort des Jakobsweges, St-Jean-Pied-de-Port, an. Auf dem Weg dahin lernten wir das Ausmaß der Pyrinäen schon einmal kennen. Am Zielort angekommen machten wir uns mit dem Pilgerdasein vertraut, hohlten uns unsere Jakobsmuscheln und unseren Pilgerpass. Als nun offizielle Pilgerer gliedern wir uns ein: „Buen Camino“ ist hier das Grußwort. Wir starteten euphorisch, konnten jedoch nach 20 km, 1200 Höhenmetern und gefühlten 20 Stunden feststellen, dass wir noch nie in unserem Leben so etwas anstrengendes vollbracht hatten. Mit unseren Tourenrädern und unserem viel zu schweren Gepäck waren wir auf den unbefestigten Bergwegen leicht überfordert. Wir merkten, dass diese Strecke nicht für uns geeignet war, wollten jedoch trotzdem den Gipfel erreichen. Leider blieb uns dann jedoch der lang

    IMG_5198ersehnte Ausblick auf 1400 Metern höhe verwehrt und wir fanden uns in einer Wolke wieder. Wir wissen nicht wie es in anderen Wolken aussieht, aber in dieser war es kalt, windig und man konnte gerade einmal 5 Meter sehen. Nach einer sportlichen Abfahrt mit Kälte und Regen kehrten wir, durch die Hilfe eines netten Mannes,  in Roncevaux in einem Containerdorf für radelnde Pilger ein. Hier war es wärmer und trockener.

    Am nächsten morgen, also heute, bekamen wir ein Frühstück mit sehr viel Kaffee. Noch nie in unserem Leben haben wir soviel Kaffee getrunken. Danach waren wir so motiviert, dass wir die schmerzenden Beine vergaßen und in Windeseile knapp 45 km nach Pamplona über befestigte Straßen fuhren. Hier sitzen wir nun und planen den weiteren verlauf.